An de Waterkant – PDQ# Grundlagen für Shadowrunner

Wie versprochen, werde ich heute PDQ# in seinen Grundzügen vorstellen und erläutern, wie wir es für die Sechste Welt von Shadowrun angepasst haben.

PDQ# wurde für Einfachheit, Geschwindigkeit und Flexibilität im Spiel entwickelt und ist die Engine für die kommenden Swashbuckler des 7 Skies RPG.

So wird PDQ# auf Drivethrughrpg.com beworben und ist dort auch kostenlos downloadbar (Link zum Text und Download). PDQ steht für “Prose Descriptive Qualities” und war in der Ursprungsversion für Dead Inside und Monkey, Ninja, Pirate, Robot: the Roleplaying Game von ATOMIC SOCK MONKEY PRESS entwickelt worden. PDQ ist ebenfalls kostenlos als Download erhältlich (hier).

Der Mechanismus

PDQ# funktioniert mit 2W6. Zielwerte sind abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Aufgabe (5 für eine triviale Aufgabe, 9 für eine komplexe Aufgabe, 13 für eine extrem schwierige Aufgabe, usw.). Auf den Wurf werden die Modifikatoren der Stärken addiert (+2 für besser als üblich, +4 für Profi, +6 für Genie); zusätzliche Techniken geben als Boni entweder +1 auf den Wurf oder einen zusätzlichen Würfel. Zum Gesamtergebnis werden allerdings immer nur 2W6 gezählt, durch den Bonuswürfel hat man lediglich mehr Auswahl.

Das war’s. Und funktioniert tatsächlich für alles. (Außer Konflikte, die werden mit 3W6 abgewickelt, aber dazu mehr in einem späteren Blogpost).

Die Charaktere setzen sich aus der eigenen Motivation, Stärken, Techniken und natürlich Schwächen zusammen, die als beschreibende Aspekte sehr offen gehalten sind. Darunter fällt all das, das man vorher als Fertigkeiten, Professionalisierungen, Vorteile und Nachteile, Cyber- und Bioware kannte. Die Stärken geben von +2 bis +6 entsprechende Modifikatoren auf den Wurf mit den 2W6, eine Technik bringt +1 oder einen zusätzlichen Würfel. Stärken absorbieren auch den Schaden aus Konfliktsituationen.

So baue ich mir einen Chummer

Wie funktioniert das oben beschriebene nun für Shadowrunner? Wie genau die Charaktererschaffung im Detail geht, kann man bei PDQ# nachlesen, hier soll es darum gehen, wie wir sie für das Shadowrun-Setting angepasst haben. Die Stärken der Charaktere ergeben sich aus ihrem Gesamtkonzept, das wir wie folgt aufgebaut haben:

  1. Motivation, größte Hoffnung, stärkstes Verlangen: Ist selbsterklärend, soll aber so etwas wie die sonst üblichen Vorteile abbilden.
  2. Die Vergangenheit, die den Charakter in die Schatten getrieben hat: darin liegen quasi alle Fertigkeiten, Vorteile, aber auch Kontakte begründet, die der Charakter durch seine frühere Ausbildung oder sein Leben vor den Schatten hat.
  3. Schattenstärke: der Archetyp.
  4. Stärken: weitere Fertigkeiten und Vorteile.
  5. Schwächen: die Nachteile.

Alle beschreibenden Stärken können um zusätzliche Techniken ergänzt werden, es gibt aber auch noch Platz für ungebundene Techniken und “anneres Tüdelüt”.

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Charakterbogen für Runner an de Waterkant.

An einem Chummer aus meiner Runde, dem orkischen Rigger Eko, zeige ich beispielhaft, wie ein Spielercharakter funktioniert.

Eko – orkischer Rigger

1. Motivation, größte Hoffnung, stärkstes Verlangen: …der Drek muss weg, aber nicht um jeden Preis (+4); daran gebundene Technik: Ares Predator IV, AK-98

2. Die Vergangenheit, die den Charakter in die Schatten getrieben hat: von Saeder-Krupp zum Saulus gemacht (+2); daran gebundene Technik: Motor McGyver

3. Schattenstärke: Ich rigge alles, das schwimmt oder taucht (+4); daran gebundene Techniken: Rigger-Kontrolle, Airbus Rochen Stealth-Patrouillenboot, Proteus Krake (Unterwasserdrohne), Fusions-Fischkutter (Bastlerschiff)

4. Stärken: Loyalität (+2), Drohnenrigger (+2), Fahrzeugrigger (+2), Kontakt zu den Speed Dolls/Psycho Annie/Kpt. Scarab (+2), Kontakt zu Shy (+4)

5. Schwächen: Jedes Leben zählt, Subtil ist nicht mein Stil.

6. Ungebundene Technik: Gyrokopter

7. Anneres Tüdelüt: Ork (sozialer Nach- oder Vorteil, abhängig vom Umfeld -2/+2); Feindschaft: Sons of Odin.

Edgewürfel

Bei PDQ# gibt es auch “Gummipunkte”, die Edgewürfel. Diese werden als Bonuswürfel zum Wurf hinzugezogen und können auch beim Kampf einen der Würfel ersetzen. Der Spielende mit den meisten Edgewürfel gewinnt zudem die Initiative – allerdings war das bei uns bisher noch nicht oft relevant, weil die Konfliktsituationen meistens so aufgeteilt waren, dass wir eine logische Handlungsabfolge bilden konnten.

Darüber hinaus können die Spielenden mit ihren Edgewürfeln Fakten schaffen, die ihnen situative Vorteile bringen.

Die Runner bekamen den Auftrag, jemanden abzufangen, der in Kaltenkirchen landete. Sie kannten nur den Zielort, spekulierten aber auf die Route. Allerdings war der Flughafen zu gut bewacht, als dass die Runner in der Kürze der Zeit dort relevante Informationen über das genaue Terminal und den Abfahrtszeitpunkt erhalten konnten. Eko fiel ein, dass er doch jemanden von seinem Riggerstammtisch aus dem Wheely kennt, der am Flughafen arbeitet. Der Spieler gibt mir einen seiner Edgewürfel und kann seinen damit neu entstandenen Kontakt anrufen, der ihm diese Info bereitwillig gibt – und dafür später einen Gefallen einfordern kann.

Die Edgewürfel werden am Beginn des Spieleabends von mir an die Gruppe verteilt, dabei schlägt das System vor, Würfel für Anwesenheit, für die Gastgeberin, fürs Essen mitbringen, usw. zu schenken.

Ich bin da nicht so großzügig (*hüstel*). Spielen wir im Solo oder in der Kleingruppe mit nur 2 Runnern, erhalten sie 2-3 Edgewürfel, in einer größeren Gruppe bekommt jeder Spielende zu Beginn nur einen Edgewürfel. Weitere Edgewürfel können im Laufe des Spieleabends nämlich durch gutes Gameplay erworben werden.

Wer den Plot merklich voran bringt, seine Schwächen so gut ausspielt, dass sie auch tatsächlich die Situation negativ beeinflussen oder einfach eine sehr coole Aktion reißt, der bekommt von mir einen Edgewürfel.

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Beispielszenen

Das Charmante an PDQ# ist wirklich, dass der Mechanismus für alles abseits von Konfikten greift. Ob die Charaktere in der Matrix nach Informationen suchen, ein Konzerngelände ausspähen, irgendwo rumschleichen oder an Bord eines Schiffes ihr Gleichgewicht halten müssen. Ich überlege, wie schwer die Probe ist, denke mir schon alle Modifikatoren hinzu und die Spielenden überlegen selbst, welche Stärken und Techniken für den Wurf zählen, damit sie diese Modifikatoren und Boni zu ihren 2W6 addieren können.

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Eko mit seinem Patrouillenboot Uschi im Fadenkreuz der HanSec.

Eko ist mit seinem Boot auf der Elbe unterwegs, dabei lasse ich den Spieler würfeln, wie gut er bewachte HanSec-Zonen umgeht. Der Spieler würfelt mit 2W6 eine 9 und addiert auf sein Gesamtergebnis +4 (für die Schattenstärke), 1+ (für die Technik Rigger-Kontrolle) und +1 (für die Technik Airbus Rochen Stealth-Patrouillenboot). Er kommt auf 15. Damit kann er eine schon für die meisten Profis schwierige Aufgabe meistern. Selbst wenn die HanSec gerade unter Stress steht, weil sie eine erhöhte Alarmbereitschaft haben, kommt Eko ohne Probleme auf dem Wasserweg durch Hamburg von A nach B.

Die Spielercharaktere sind bereits als Startcharaktere extrem gut. Aber das ist auch gewollt, denn schließlich sollen sie Profis auf ihrem Gebiet spielen. Außerdem sind die Stärken so formuliert, dass sie viel abdecken oder viel Interpretationsspielraum bieten und gut begründet werden muss, warum sie miteinbezogen werden. Aber  auch das ist so gewollt, damit man als SL mit seiner Gruppe im Gespräch bleibt.

Ekos gute Freundin Elli Minate, eine Riggerin der Speed Dolls, ist verschwunden. Sie reagiert nicht auf seine Anrufe, meldet sich nicht auf seine Nachrichten und ihre Gangerinnen haben ebenfalls nichts mehr von ihr gehört. Eko bezahlt einen Decker, der ihren Wagen schließlich durch das Hacken von Verkehrsüberwachungskameras vor der “Lotus Lounge” findet, einem Massagesalon in Triadenbesitz. Eko will in Ellis Wagen einbrechen, um dort nach Hinweisen zu suchen. Dafür würfelt er 2W6 und addiert +2 (für Loyalität) und 2+ (für seinen Kontakt zu ihr). Er würfelt eine 1 und eine 2, selbst mit seinen Modifikatoren ist das Gesamtergebnis 7 für die Aufgabe zu wenig, um ungesehen über den bewachten Parkplatz zum und schließlich INS Auto zu kommen. Er nutzt einen Edgewürfel und kann die 1 glücklicherweise durch eine 5 ersetzen. Mit insgesamt 11 schafft er es und kann sich schließlich in Ellis Wagen einriggen und einige Informationen ziehen.

Trainingspunkte – Charaktere verbessern

Wie bereits erwähnt, sind die Spielercharaktere schon von Beginn an ziemlich gut und versagen als Profis eher selten. Schaffen sie einen Wurf dennoch nicht, erhalten sie Trainingspunkte. Diese Trainingspunkte können dazu genutzt werden, um den Rang einer Stärke erhöhen oder um neue Stärken, Schwächen oder Techniken zu erwerben. Die Kosten dafür variieren.

Fazit bis hierher

Bisher geht mir Shadowrun mit PDQ# ziemlich flüssig von der Hand. Alles, was die Charaktere antreibt und was sie (auch spontan) vorhaben, lässt sich ziemlich fix mit den 2W6 abbilden. Durch die individuellen Stärken, die aber sehr breit zu verwenden sind, finden sich schon genügend Gründe, warum der Modifikator auf den Wurf hinzu gezogen werden kann. Zumal nach meiner jetzigen Erfahrung das System dafür sorgt, dass die Gruppe ganz nach dem Motto “Schuster, bleib bei deinen Leisten” sehr charaktergetreu denkt und handelt. Mir gefällt die Eigenverantwortlichkeit, die meine Gruppe bisher auch wirklich an den Tag legt. Durch die Edgewürfel erhalten sie Anreize, sich im Spiel auch wirklich ins Zeug zu legen, weil das Belohnungssystem für gutes Charakterspiel sofort greift und Edgewürfel den Ausgang der Situationen positiv beeinflussen können.

Natürlich bieten PDQ und PDQ# weitere Regeln, ich beschränke mich hier aber darauf, wie wir PDQ# spielen und was wir vom Regelsystem wirklich verwenden. In den Folgeposts, in denen ich den Plot und die Aktionen unserer Runnertruppe schildere, wird es weitere konkrete Beispiele geben, wie wir Shadowrun mit PDQ# spielen. Dabei werde ich aber auch schreiben, wo es hakt und welche Probleme sich beim Abbilden der Sechsten Welt ergeben.

Für die Sechste Welt sind vor allem Kämpfe und natürlich auch die Magie maßgeblich. Diese werde ich im nächsten Post ausführlicher behandeln.

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