Briefe aus dem Eis, Teil 3

Seit Mai 2021 spielen wir online die Kampagne “Berge des Wahnsinns” mit der 7. Edition Cthulhu. Manni ist der Spielleiter für Cassandra und drei weitere Mitspieler:innen. Diese Cthulhu-Kampagne soll eine der besten sein. Wir sind gespannt!

Der Rundenbericht wird in Form von Briefen, Notizen und Tagebucheinträgen aus der Sicht von Dr. Emma Whitlock geschrieben, Cassandras Cthulhu-Charakter in dieser Kampagne (hier ist der Link zum ersten Teil).

Emma stammt aus einer britischen Provinz und diente im Ersten Weltkrieg als Lazarettkrankenschwester in Flandern. Sie ging nach Arkham, studierte an der Miskatonic University Medizin und arbeitete als Ärztin im Arkhamer Krankenhaus. Dr. Whitlock begleitet die Starkweather-Moore-Antarctic-Epedition 1933 als Medizinerin.

3. Eintrag: Brief an Emilia, New York am 08. September 1933

Liebe Emilia,

während ich dir diese Zeilen schreibe, habe ich noch den Geruch von brennendem Benzin und verbranntem Fleisch in der Nase. Diesen Geruch wird man nicht so leicht los, er haftet in meinen Haaren und in meiner Kleidung… doch bevor ich dir von den Ereignisse berichte, die dazu geführt haben, dass ich heute Nacht nicht schlafen kann, beginne ich von vorne: Bei Mr. James Lexington. 

Ihm sollten wir den Besuch abstatten, von dem ich dir im letzten Brief schrieb, und herausfinden, ob er hinter den Sabotageakten stecken könnte. Mr. Lexington hat seine eigene Expedition in die Antarktis lange geheim gehalten und konnte sie zu keinem schlechteren Zeitpunkt ausrufen als jetzt. Er kann eine lange und persönliche Fehde mit Acacia Starkweather vorweisen, die nun ihren Höhepunkt in einem Wettrennen zum Südpol findet. 

Unter dem Vorwand, ihn vor dem Saboteur zu warnen, suchten wir Mr. Lexington in seinem protzigen Anwesen auf. Und wie soll ich es schreiben, ohne ausfallend zu werden? Dieses kurze Gespräch reichte schon, um Acacias Abscheu diesem Mann gegenüber nachzuempfinden. Er ist arrogant und ekelhaft. Ein Chauvinist durch und durch. Aber ein Mörder? Das konnten wir uns nicht vorstellen. Auch wenn seine Moral sehr zu wünschen übrig lässt, liegt diese doch eher im zwischenmenschlichen Bereich als im kriminellen.

Zumindest waren wir – also Helen Wood, Ed Gedney und Miles O’Neil – uns diesbezüglich sicher.

Mr. Lexington blieb bislang, seinen glaubhaften Schilderungen zumindest nach, selbst von Sabotageakten verschont. Allerdings könnte dies auch an der Geheimhaltung seiner eigenen Expedition liegen, die er bis dato sehr erfolgreich an der Presse vorbei planen konnte.

Die Presse erweist sich allerdings auch wirklich als unerträglicher Zaungast. Seit dem Mord an Kapitän Douglas belagert sie unser Hotel und den Pier, an dem die S.S. Gabrielle liegt. Der tägliche Gang dorthin ist mehr als nur unangenehm, da tatsächlich unsere Namen in einem Zeitungsartikel darüber genannt wurden. Einer der Artikel, die ich dir beigelegt habe, ist aus der New York Times und handelt von dem tragischen Ereignis um Kapitän Douglas.

Nach unserem Besuch bei Mr. Lexington haben wir der Presse allerdings neues Futter gegeben, denn schließlich konnte unser Gastgeber die Chance nicht verstreichen lassen, uns ein paar Details zu verraten, warum er als erster am Südpol ankommen wird. Den Namen seines Schiffes zum Beispiel…mit Glück ziehen die Geier nun an einen anderen Pier und lassen uns in Ruhe.

Wie dem auch sei, das Zusammentreffen mit Mr. Lexington war zwar ärgerlich, aber unsere Angst vor erneuten Sabotageakten blieben danach leider weiterhin berechtigt. 

Davon wird sicherlich morgen wieder in der Zeitung zu lesen sein, weshalb ich dir noch einen weiteren Artikel beilege.

Denn heute Abend wurde ein Stapel Benzinfässer im Lagerhaus am Pier in Brand gesteckt. Es war ein flammendes Inferno! Man hörte die Explosionen bis zum Hotel. Mr. Gedney und ich waren gerade auf dem Weg vom Pier zurück ins Hotel als der Brand begann. Wir drehten natürlich sofort um, eilten an dem in Flammen stehenden Lagerhaus vorbei auf die Gabrielle, da eine Brooke mit mehreren Benzinfässer über ihrer Reling drohte, auch das Schiff in Brand zu stecken.

Dies konnten wir verhindern, aber das Feuer breitete sich weiter aus. Mit Hilfe des Ersten Offiziers Mr. Turlow und weiteren Männer der Schiffsmannschaft, löschten wir so gut wir konnten und warteten auf das Eintreffen der Feuerwehr.

Doch der wahre Held des Abends war Miles O’Neil. Ja, richtig. Der Mr. O’Neil, dem ich noch eigennützige Motive unterstellte, erwies sich als völlig selbstlos. Er lief in das brennende Lagerhaus und rettete mehrere Schauerleute, die bei der Explosion der Benzinfässer bewusstlos wurden. Ich muss, glücklicherweise, meine Meinung von diesem Menschen komplett revidieren. Ohne auf seine eigene Gesundheit zu achten, schleppte er einen nach dem anderen aus dem Feuer.

Doch nicht nur das. Er fand dort sogar noch den Saboteur. Einen Mann mit Benzinkanister, der definitiv weder zu den Schauerleuten noch zu unserer Expeditionsmannschaft gehört. Das sind die guten Nachrichten. Er ist aber sehr schwer verletzt, Antworten werden wir von ihm nicht erhalten. Seine Lunge ist völlig verbrannt.

Miles O’Neil wurde ebenfalls schwer verletzt, doch war Ed Gedney zur Stelle, um ihm aus dem Lagerhaus zu helfen.

Nicht alle Männer überlebten den Brand, doch hätte es noch viel schlimmer ausgehen können! Schließlich hätte die Expedition beinahe nicht stattfinden können.

Zum Lesen bitte hereinzoomen.

Die letzten Tage vor unserem Aufbruch wird Miles noch im Krankenhaus verbringen müssen, aber mittlerweile kann niemand mehr abwarten, endlich in See zu stechen. Wir haben die Hoffnung, dass der Saboteur nun gestoppt ist und wir nicht noch weitere Gefahren zu befürchten haben. Das Eis wird tödlich genug sein.

Dennoch haben Miles, Ed, Helen und ich beschlossen, uns auch während der Überfahrt räumlich so nah wie möglich zu sein, um einander Rückendeckung zu geben, falls es nötig werden wird. So langsam gehe ich von allen möglichen weiteren unangenehmen Überraschungen aus. 

Wir wurden von Starkweather und Moore außerdem dazu angehalten, uns Vorträge und Zeitvertreibe zu überlegen. Darüber hinaus sollen wir die Gelegenheit nutzen, einander besser kennen zu lernen. Was für ein Abenteuer, Emilia. Mir graut es schon vor Dr. Greens Aufforderungen zum Tanz.

In meinem nächsten Brief, den ich von der Schleuse in Gatún im Panama-Kanal verschicke, werde ich dir hoffentlich ausschließlich von einer langweiligen Überfahrt und nicht von weiteren Toten berichten müssen. 

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